Noch mehr Gegenwind

Die netten Damen (gibt’s dabei Damen?) und Herren von Schwarzwald Gegenwind haben mal wieder (schon fast ein Monat her) ein paar Lügen verbreitet. 

Dank Corona und Kleinkinder ist es mit meiner Freizeit momentan nicht weit her, daher wird das hier sicher recht kurz. Falls es fertig wird. Aber schauen wir mal. 

Überschrieben ist das Posting vom 19.03.2020 mit “Wissen – man muss es nur wollen. Besser als Willkür, Wunsch und Wunderheilung”. Prima Alliteration. Aber geht es dabei um Wissen? 

Zumindest eines ist sofort klar: um Sachlichkeit geht es mal wieder absolut nicht. Und im ersten Satz steht schon:

Die … Energieversorgung oder gar – “wende”[sic!] hat nachweislich weder zu volkswirtschaftlicher Effizienz, geschweige denn zur immer wieder apostrophierten Umwelt[sic!] und Klimafreundlichkeit auch nur ein Jota beigetragen

Ok. Abgesehen von eklatanten Mängeln im Satzbau steht da viel Unsinn (die absolut unsachliche Polemik habe ich mal ausgelassen). 

Es gibt keine “volkswirtschaftliche Effizienz”, was sollte das auch sein? Es gibt die Wirtschaftlichkeit, und die kann man unter anderem mit “Effizienz” messen. Das geht aber, weil das nunmal die Definition des Begriffes “Effizienz” ist, nicht absolut (und schon gar nicht pauschal), sondern immer nur relativ1. Vermutlich wollte da jemand in tollen Worten, die er halt nicht beherrscht, ausdrücken, dass die Energieversorgung oder Energiewende (welches von beiden denn nun?) in irgend einer Art und Weise aus volkswirtschaftlicher Sicht unwirtschaftlicher geworden sei (oder zumindest nicht wirtschaftlicher). Das könnte sein, lässt sich aber de facto quasi nicht nachweisen, da die volkswirtschaftlichen Kosten der Energieversorgung nicht objektiv erfassbar sind, sondern es diverse Modelle mit diversen Ungereimtheiten gibt. Der Autor schreibt aber “nachweislich”.

Wie quasi immer bleibt die BI den Nachweis schuldig. Interessanter ist aber der zweite Teil. Hier müssen wir den Satz noch mehr zerpflücken:

Aussagenteil 1: Die Energieversorgung hat nicht zur Umwelt- und Klimafreundlichkeit beigetragen. Das ist sicher so, da die Energieversorgung (da der Autor so künstlich bildungsdeutsch den Begriff “apostrophiert” so halbwegs falsch verwendet hat, sollte er als Bildungsbürger die Hauptsätze der Thermodynamik kennen) nunmal an jeder Stelle Energie aufwendet (vulgo: verbraucht), um irgend welche Energien zu Wandeln. Das liegt in der Natur der Sache2.

Aussagenteil 2: Die Energiewende hat nicht zur Umwelt- und Klimafreundlichkeit beigetragen. Das ist freilich absolut gelogen, kann man z.B. beim Umweltbundesamt nachlesen. 

Weiter geht es dann mit dem alten Narrativ der höchsten Strompreise. 

Einfachste Betrachtung: Das ist natürlich erst mal gelogen, wie man bei Statista nachlesen kann. Allerdings liegt Deutschland da wirklich extrem weit oben. Daher mal die zweiteinfachste Betrachtung: Wie sieht das in Bezug auf das Einkommen aus? Da mir momentan die Zeit fehlt, das für die ersten paar sauber durchzurechnen, ein schneller Blick: In Portugal kostet der Strom ca. 15% weniger als in Deutschland. Dafür ist das BIP weniger als halb so gross und das durchschnittliche Bruttogehalt liegt etwas über einem Drittel des deutschen Durchschnitts. Damit ist der Strom in Portugal natürlich für den Verbraucher teurer als in Deutschland. Und Portugal wird damit nicht das einzige Land sein.

Und dann gibt es natürlich noch komplexere Betrachtungen: Der Strompreis, den wir bezahlen, besteht ja nicht nur aus dem, was auf der Stromrechnung (oder oben bei Statista) steht, dazu kommen ja noch unterschiedlichste Umlagen und Subventionen für die unterschiedlichen Energieträger. Auch diese bezahlen wir. Für erneuerbare Energien bezahlen wir den grössten Teil davon als EEG-Umlage direkt mit der Stromrechnung, die Preise von Statista enthalten diese also. Kohle und Atomstrom werden allerdings durch Steuermittel subventioniert. Hier, ebenso wie auch in anderen Ländern. Auch das muss an jeder Stelle eingerechnet werden, will man dazu eine Aussage machen. 

Ob die BI das wohl eingerechnet hat? Wohl kaum. 

Und auch wieder im klassischen Narrativ wird von milliardenschweren Subventionen geredet (in der Praxis geht es viel mehr um Umlagen als um Subventionen, aber egal). Dass diese “Subventionen” aber vor allem deswegen notwendig sind und waren, weil die klassischen Energieträger seit Jahrzehnten milliardenschwere Subventionen (übrigens viel, viel mehr) erhalten, weswegen der Markt so schief ist, dass neue Teilnehmer ohne Unterstützung keine Chance haben, kehrt der Autor unter den Teppich. 

Danach kommt wieder ein Satz mit fragwürdigem Aufbau und einem schlichten Gemeinplatz ohne irgend eine Aussage. 

Der dritte Absatz beginnt wieder mit einem parataktischen Geschwurbel, ganz ohne sich an grammatikalische Konventionen zu halten. Die Aussage kann man bestenfalls erraten: Die armen Bürger, die durch Windkraft so arg belastet seien, würden gar nicht wahrgenommen, weder von Politik noch Verwaltung. 

Ja, sie werden so wenig wahrgenommen, dass Politiker keine Lust mehr haben, an “Stammtische” zu kommen, da sie derart beleidigt werden, dass das am Ende vor Gericht landen. Sprich: es ist wieder eine billige Lüge. Schwarzwald Gegenwind macht so viel Lärm, spaltet so dermassen die Gemeinde “Kleines Wiesental” und bekommt so viel Echo, auch aus Verwaltung und Politik, dass es geradezu lächerlich ist, wie ein beleidigtes Kind zu jammern, dass einem niemand zuhöre. 

In genau dem Stil geht es weiter. Polemik, Narrative, die sie von EIKE, also dem pseudowissenschaftlichen, klimawandelleugnenden Arm der Neuen Rechten und AfD wortwörtlich übernommen haben, und Symbolik folgen Schlag auf Schlag, meist grammatikalisch mindestens fragwürdig und inhaltlich auf dem Niveau eines Teenagers, der sich nicht zu helfen weiss, ausser um sich zu schlagen. 

Selbst für Kriegsrhetorik ist sich der Autor nicht zu schade, er sieht eine “Generalmobilmachung“. 

Und natürlich endet das Pamphlet3 mal wieder mit einem Verweis auf einen Artikel auf dem Blog “Achse des Guten”, einem Sammelplatz für deutschtümelnde, neurechte Hetze.

Der verlinkte Artikel selbst stammt aus der Feder von Dr. Hans Hofmann-Reinecke, einem Leugner des menschgemachten Klimawandels, der sich nicht zu schade ist, ein Teenagermädchen (Greta Thunberg) abzuwerten und zu pathologisieren und, wen wundert es, natürlich Kernkraft als das einzige Heilmittel betrachtet. 

Wie bereits mehrfach, nicht nur von mir, gesagt: Der Wind von “Schwarzwald Gegenwind” weht immer weiter von Rechts, aus der wirren Welt rechter Verschwörungstheoretiker, Klimawandelleugner und Kernkraftbefürworter. 

Liebe Leute von Schwarzwald Gegenwind: ihr könnt das mit der Polemik und dem Beharren auf Halb- und Unwahrheiten offensichtlich nicht lassen. Und ihr liefert nach wie vor nichts, noch nicht mal minimal Konstruktives. Na gut. Aber dann hört doch wenigstens auf, so zu tun, als wärt ihr in irgend einer Art und Weise an Naturschutz, Umweltschutz oder einer schönen Gemeinde Kleines Wiesental interessiert. Steht wenigstens dazu, dass es Euch um neoliberalen Unsinn und rechtskonservative Denke geht. Und schämt Euch vor allem dafür.