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Windthesen

Die Bürgerinitiative “Schwarzwald Gegenwind” will anscheinend mal wieder von sich reden lasse. Wie? Indem sie “10 Thesen gegen Windkraft” veröffentlichen. Ok. Nein, noch besser: sie fordern irgend jemanden (gleich mehr dazu) mit ihren Thesen auf, zu handeln.

Vielleicht sollten die Damen und Herren zuallererst ein Wörterbuch konsultieren: Eine These ist keine Forderung, sie ist, und so sagt es der Duden, ein

behauptend aufgestellter Satz, der als Ausgangspunkt für die weitere Argumentation dient

Genau diese Argumentation fehlt aber (mal wieder), es handelt sich ausschliesslich um Behauptungen, und darauf basierenden Forderungen. Da fehlt aber etwas: die Fakten, der Beleg. Klassisches, korrektes und sinnvolles Vorgehen wäre: These aufstellen, These überprüfen, hält sie Stand, daraus Forderungen ableiten. Beispiel: These: draußen ist es eiskalt. Überprüfung: Thermometer vor der Tür ablesen: 3°C, kalt. Forderung: Kind muss Mütze tragen. Die BI behauptet aber einfach, dass wann kalt sei und fordert, dass das Kind eine Mütze trägt, überprüft aber gar nicht Dieb Temperatur …

Bevor ich auf diese Behauptungen eingehe, noch kurz etwas zur Form. Das Posting auf ihrer Website beginnt fogendermassen:

Die zurzeit durchgeführte angebliche „Energiewende“ hat nachweislich trotz aller Jubelmeldungen seitens der finanziell Interessierten und Profiteure weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll funktioniert, da sie physikalische Grundsätze missachtet und nur auf einer politisch verordneten Ideologie basiert.

Die Darstellung, dass es sich um eine “angebliche Energiewende” (und nicht um eine wirkliche) handle, ist nicht nur per se unsachlich und sogar falsch, sondern widerspricht den sonstigen Behauptungen der BI, dass sie doch eigentlich für Umweltschutz, für saubere Energie etc. seien.
Dann kommt das Wort “nachweislich”. Allerdings ganz ohne den entsprechenden Nachweis, nicht selten ist dieses “nachweislich” synonym zum “Das ist Fakt”, zur Unterstreichung einer Behauptung, die eben genau nicht nachgewiesen wird oder werden kann.
Der Rest der Einleitung stellt Polemik (“Jubelmeldungen”) und Gepöbel (“Profiteure”, “Ideologie”) dar und hat, wenn man Thesen als Grundlage einer sachlichen Diskussion aufstellen will, dort nichts zu suchen.

Dann richtet sich das Ganze an folgende Gruppe: “Alle zukünftigen Entscheidungsträger”. Wer ist das? Können die schon lesen? Und warum die zukünftigen, was ist mit den aktuellen?

Nun zu den Thesen:

1. Eine ökologische Energieversorgung kann nur dann ökonomisch sinnvoll funktionieren, wenn sie auf physikalischen Grundsätzen beruht und nicht auf einer politisch verordneten Ideologie.

Interessante Behauptung. Erst mal kann eine Energieversorgung, egal ob ökologisch oder nicht, überhaupt nur funktionieren, wenn sie auf physikalischen Grundsätzen beruht. Dinge, die nicht auf physikalischen Grundsätzen beruhen, funktionieren nicht, das ist nunmal das Prinzip physikalischer Grundsätze. Damit ist diese Behauptung noch nicht mal eine Tautologie, sondern sagt schlicht gar nichts aus. Es wird auch gleich eine Gegenthese geäussert, nämlich dass es irgend eine politisch verordnete Ideologie gäbe. Was soll diese sein? Wenn sie politisch verordnet wurde, dann muss sie ja in einem Gesetzblatt stehen. Wenn es dann eine Ideologie ist, dann wird das Bundesverfassungsgericht dieses Gesetz bzw. diese Verordnung kassieren (Gesetze dürfen keine Weltanschauung verordnen, sagt immerhin unser Grundgesetz). Oder in einer sonstigen, ordentlichen Veröffentlichung. Gibt es freilich nicht, auch dieser Teilsatz ist blanke Polemik, er soll den Eindruck wecken, dass die “böse Politik” (ganz schwammig, bloss nicht konkret werden) uns allen schlimmes will. Inhalt hat diese These nicht, sie ist keinerlei Ausgangspunkt für eine Argumentation, die vor allem auch nicht folgt. Also keine These.

2. Eine Energiewende mit Windkraft- und Photovoltaikanlagen ist ohne Speicher nicht realisierbar und mit Speichern nicht bezahlbar. Windkraft- und Photovoltaikanlagen ersetzen also keine konventionellen Kraftwerke.

Niemand redet davon, dass eine Energiewende ausschliesslich Windkraft- und PV-Anlagen beinhalten soll. Dass sie ohne Speicher nicht realisierbar sei, ist korrekt, sagt aber in diesem Fall nichts aus, da der nächste Halbsatz, dass Speicher nicht bezahlbar sind, schlicht falsch ist, zumindest so pauschal. Genau wie der letzte Satz. Wir haben in den letzten Jahrzehnten bei zunehmender Stromproduktion und abnehmendem Import viele konventionelle Kraftwerke abgeschaltet und durch PV- und WKA ersetzt. Geht also, die These ist wieder falsch.

3. Der Ressourcenverbrauch für die Errichtung von Windkraft -und Photovoltaikanlagen sowie für den Ausbau der Netze ist gigantisch. Windräder haben eine durchschnittliche Lebensdauer von zwanzig Jahren. Die Rotorblätter sind Sondermüll. Die Entsorgung von tausenden Windrädern wird mittelfristig zum gravierenden Umweltproblem. Die derzeitige Form der Energiegewinnung aus Sonne und Wind ist also nicht nachhaltig.

Hmm, “gigantisch” also. Nicht wirklich sachlich und vor allem ganz ohne Relation. Wie hoch ist denn konkret der Ressourcenverbrauch zur Gesamtlebenszeit einer WKA- oder PV-Anlage (vor einer Weile war die BI doch explizit für PV, zumindest mehr oder weniger), was ist da passiert?) im Vergleich zu konventionellen Kraftwerken inclusive deren Brennstoffe mit Förderung und Entsorgung (der sog. Erntefaktor)? Eine WKA amortisiert sich energetisch im Schnitt in ca. einem Jahr, wissenschaftlich nachgewiesen. Eine PV-Anlage braucht je nach Standort ähnlich viel, die Quelle ist die Selbe.
Viel wichtiger ist hier aber, dass die BI einfach mal die These aufstellt, dass die Entsorgung von Rotorblättern ein gravierendes Umweltproblem darstellt (während sie nicht sagen, wie auch auf mehrfache Nachfrage nicht, woher der Strom kommen soll). Das ist ein Problem, allerdings ist es bei weitem nicht so gravierend wie bei Kohle- (Abgase, Tagebaugebiete) und Atomkraftwerken (Atommüll, radioaktiver Reaktorkern), und besteht exakt so seit Jahrzehnten bei z.B. Erdöltanks oder Chemietanks, die auch häufig aus GFK oder CFK sind. Bestünde die These also daraus, dass Windkraftanlagen nicht komplett sauber seien, wäre sie sicher nicht falsch. So wie sie dasteht, soll sie aber eben nicht Relationen vermitteln, sondern stellt einfach nur die Behauptung auf, sie seien schmutzig (ohne Alternativen zu nennen).

4. Strom muss für alle bezahlbar sein – auch für die Ärmsten in unserer Gesellschaft. Das wird nur gelingen, wenn die garantierte Vergütung, die auch für nicht eingespeisten Strom an die Betreiber von Windkraftanlagen zu zahlen ist, abgeschafft wird.

Auch hier wird wieder einseitig und damit falsch argumentiert. Der grosse Vorteil des EEG ist die Transparenz. Die Kosten werden direkt auf den Strompreis umgelegt, während bei Atomkraft und Kohlekraftwerke immens grosse Teile der Kosten (Entsorgung, Abgase etc.) direkt aus Steuermitteln kommen, gegen die sich v.a. die Ärmsten nicht wehren können. Das wird hier schlicht verschwiegen. Ebenso sorgen die Oligopole der klassischen Stromerzeugung (PV- und auch WK-Anlagen können auch von Durchschnittsverdienerinnen gebaut werden, es kann also ein breiter Markt mit viel Konkurrenz entstehen) für grosse Abhängigkeiten und Belastungen, v.a. der Ärmsten. Dass die Vergütung für nichteingespeisten Strom von allen getragen wird, liegt übrigens schlicht an der Tatsache, dass sich die bestehenden Grosskarftwerke kaum bis gar nicht regeln lassen, daher muss, um nicht zu viel Strom im Netz zu haben (es kann immer nur so viel Strom eingespeist werden, wie gerade entnommen wird), die Regelung mittels dynamischer WKAs, PVAs und Wasserkraftwerken stattfinden.
Die grundlegende These, dass Strom nur dann bezahlbar sei, wenn die garantierte Abnahme wegfällt, ist viel zu stark vereinfacht und lässt z.B. die Sonderbedingungen des EEG, das Ausnahmen für Grossabnehmer macht, einfach unter den Tisch fallen. Diese These ist viel zu allgemein gefasst als dass sie als Ausgangspunkt für eine Argumentation dienen könnte.
Der wichtigste Punkt ist aber, dass wir auf einen Klimawandel zusteuern, der vor allem die Ärmsten am meisten trifft. Und zwar extrem hart und ohne Ausweg.

5. Privilegien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der Windindustrie, hier im § 35 BauGB „Privilegiertes Bauen im Außenbereich“, sorgen für Wettbewerbsverzerrung und soziale Ungerechtigkeit. Sie gehören abgeschafft, damit Wald-, Feucht-, Naturschutz- und Wasserschutzgebiete erhalten bleiben und Lebensräume für Menschen und Tiere nicht gefährdet werden. Die Subventionierung einer völlig unzureichenden Technologie durch das „Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verhindert technische Innovation und fördert soziale Ungerechtigkeit.

Wieder eine extrem einseitige Darstellung. Das gesamte System der Energieversorgung ist extrem verzerrt, dank immenser Subventionen für v.a. Kohle- und Kernkraftwerke ist ein offener Wettbewerb schlicht nicht möglich (Kernkraftwerke müssen ihren Betrieb im Gegensatz zu jedem anderen Industriebetrieb nur eine extrem kleine Summe an Rückstellungen für etwaige Schadhaftung rückstellen, das Gros von Kosten eines schweren Störfalles liegt bei der Allgemeinheit. Kohle wurde und wird seit Jahrzehnten immens subventioniert, die Betreiber müssen nahezu nichts zum volkswirtschaftlichen Schaden durch Abgase beitragen usw.). Der zweite Teil ist geradezu lächerlich. Im Bereich der erneuerbaren Energien ist genau durch Hebel wie das EEG erst eine wirkliche Innovation aufgetreten. Es wurden Arbeitsplätze geschaffen, die Preise sind immens gefallen, die Technologie hat sich entwickelt.
Welche Innovation verhindert werden soll, wird nicht erklärt, die These ist wieder eine leere Behauptung.

6. Der forcierte Zubau von wetterbedingt unzuverlässigen Windkraftanlagen verursacht Probleme im Stromnetz. Es gerät außer Kontrolle. Die Gefahr eines Blackouts wächst. Grundlastfähiger Strom aus den konventionellen Kraftwerken muss zur Sicherung unseres Stromnetzes vorgehalten werden.

Auch hier wieder Polemik. WKAs sind nicht so unzuverlässig und wenig vorhersehbar wie behauptet wird. Die grösste Dynamik im Netz wird durch immer flexiblere Verbraucher erzeugt, die Energieversorger arbeiten mit immer komplexeren Modellen, um den Bedarf immer genauer vorherzusagen. Wie oben bereits verlinkt, besteht das Problem darin, dass sich die konventionellen Kraftwerke nur schlecht und langsam regeln lassen.
Diese These soll ganz offensichtlich Angst schüren, Angst vor einem Blackout, ausgelöst durch WKAs. Ganz ohne weitere Erklärung.

7. Windkraftanlagen töten Vögel und Fledermäuse, durch Kollisionen oder zerplatzte Lungen (Barotrauma). Bei besonders kollisionsgefährdeten Vogelarten gefährden sie lokale Populationen und langfristig den Bestand. Jede weitere Windkraftanlage sorgt für ein stetig steigendes Tötungsrisiko – insbesondere auch bei vielen gefährdeten und streng geschützten Arten. Ebenso werden nach neuesten Berechnungen Insekten in großem Ausmaß getötet. Hinzu kommen erhebliche Störungen der Lebensräume, die Brutabbrüche und Rückgang der Fortpflanzungsrate zur Folge haben. Das im Bundesnaturschutzgesetz festgelegte Tötungsverbot muss auch für die Windenergie gelten, umso mehr, wenn es sich um Arten handelt, die EU-artenschutzrechtlich durch die Vogelschutz- und FFH-Richtlinien streng geschützt sind.

Auch hier wieder Behauptungen ohne Zahlen. Man kann wohl davon ausgehen, dass WKAs Vögel und Fledermäuse töten. Allerdings ist eine solche Aussage nur wirksam, wenn die entsprechende Relationen geliefert werden. Autos töten auch Vögel, nur ist das nicht relevant.
Dazu kommt, dass auch hier keine Alternative genannt wird. Durch Kohletagebau werden grosse Flächen für Flora und Fauna unbenutzbar, Kohleabgase sind für Tiere genau so giftig wie für Menschen und auch Uranabbau ist alles andere als sauber. Auch diese These ist einseitig und ohne klaren Hintergrund nichtssagend.

8. Sowohl der Wald als einzigartiges Ökosystem und Lebensgrundlage für alle Geschöpfe der Erde als auch die Landschaft als nicht erneuerbares Kulturgut sind Schutzgüter von höchster Priorität. Weder Wald noch Landschaft dürfen durch Windkraftanlagen industriell überprägt werden. Mensch und Tier verlieren Rückzugs- und Erholungsräume.

Der Wald ist absolut schützenswert, keine Frage. Warum die Windkraftgegner aber diese Aussage rein auf WKAs beziehen, bleibt offen. Strassen und Wege führen auch durch den Wald (und die Autos, die drauf fahren, stossen nicht nur warme Luft aus), die meisten Dörfer im kleinen Wiesental liegen mitten im Wald und wenn mal wieder ein Vollernter vorbei kam, ist oft genug eine riesige Schneise im Wald, diese Art industrieller Forstwirtschaft (gepaart mit Monokultur) ist für den Wald nicht gut. Auch die Schlegelmähwerke unserer Traktoren und die Pickups der Ladewagen und Ballenpressen sind alles andere als tierfreundlich.
Vor allem fehlt auch hier wieder die Alternative. Uranabbau reisst riesige Löcher in den Boden, von Kohletagebau ganz zu schweigen.
Wieder eine absolut einseitige These.

9. Windkraftanlagen führen zu Gesundheitsstörungen bei vielen direkten Anwohnern. Die Schall-Emissionen von Windkraftanlagen verursachen nachweislich Schlafstörungen und bei Langzeit-Exposition weitere schwerwiegende Beeinträchtigungen der Gesundheit. Das Grundrecht auf Unversehrtheit darf nicht durch eine verfehlte Energiepolitik ausgehebelt werden.

Wieder pauschale Aussagen. Was ist ein direkter Anwohner? Steht sein Haus 1m von der WKA entfernt, 1km, 10km? Und welche Störungen lösen sie konkret aus? Wo ist der Nachweis für Schlafstörungen zu finden? Es gibt bisher keinerlei wissenschaftlichen Daten, die das nahelegen, das Wort “nachweislich” ist schlicht falsch. Auch hier werden wieder Ängste geschürt, wie wird denn das Grundrecht auf Unversehrtheit bei Kohlekraftwerken gewahrt? Oder bei Autoabgasen? Nichts, auf das sich eine These stützen könnte.

10. Der Beitrag der Windkraft zur gesamten Energieversorgung ist minimal. Er beträgt nur ca. 2 Prozent. Angesichts der existenziellen Bedrohung für Mensch und Natur, der aktuellen Kosten von jährlich mehr als 27 Mrd. Euro sowie der enormen und bislang nicht kalkulierten Folgekosten kann von „Daseinsvorsorge“ keine Rede sein. Der Zubau von Windkraftanlagen ist kein geeignetes Instrument, um die propagierten Ziele zu erreichen.

Klassischer “Argumentation” von EEG-Gegnern, auch sehr gerne aus der offenen neoliberalen Szene zu hören.
Es ist nicht sinnvoll, einerseits den Strommarkt (also elektrische Energie) zu betrachten (um diesen geht es hier), um dann auf einmal Relationen zum gesamten Primärenergieumsatz herzustellen. Das ist unsachlich und nicht wissenschaftlich korrekt. Der Verweis auf “nicht kalkulierbare” Folgekosten ist geradezu lächerlich, weil das für exakt jede Technologie gilt, für die meisten in sehr viel grösserem Masse. Hat mal jemand die Folgekosten unseres Individualverkehrs berechnet? Oder die Folgekosten des Energiebedarfs für Onlinedienste wie diesen hier?
Reine Verzerrung von Tatsachen zur einseitigen Darstellung.

Nach den sogenannten “Thesen” (wie gesagt, es sind keine Thesen, da sie die Definition von “These” nicht erfüllen) kommen die Forderungen:

* Eine planvolle Politik, die die Bürger mitnimmt und rechtzeitig informiert und ihnen das Recht auf Mitwirkung an den öffentlichen Angelegenheiten nach demokratischen Grundsätzen gewährleistet.

Sehr sinnvolle Forderung. Würde die Bürgerinitiative das leben, dann würden sie nicht Unwahrheiten verbreiten und würden sich nicht Angeboten für öffentliche Diskussionen enthalten. Demokratische Grundsätze bedeuten nämlich, dass man nicht Ängste schürt und Halbwahrheiten verbreitet, um die Bevölkerung (griechisch: “Demos”) in eine bestimmte Richtung zu drängen, sondern dass man offen, sachlich und fundiert argumentiert und die Menschen aufklärt.

* Streichung der Windenergie im Baugesetzbuch (BauGB); hier § 35 Bauen im Außenbereich.

Krasse Forderung. Mit welcher Begründung soll dann der Strassenbau im Aussenbereich weiterhin erlaubt sein? Strassen schädigen bei Bau und im Betrieb die Umwelt, dennoch will die sinnvollerweise niemand verbieten.

* Abschaffung bzw. die Totalreform des Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG = Erneuerbare-Energien-Gesetz).

Wieder eine Forderung ohne Inhalt. Wenn das EEG abgeschafft würde, wie soll der Strommarkt aussehen? Wenn es reformiert würde, was soll drin stehen? Wo soll der Strom herkommen?

* Mindestabstände von Windindustrieanlagen zu Wohnhäusern, wie auch in Bayern, nach der 10 H-Regelung. (Sie besagt, dass ein Windrad mindestens zehn Mal so weit von einem Wohnhaus entfernt sein muss, wie es hoch ist).

Überarbeitung: das „es“ hatte ich in der ersten Version fälschlicherweise auf das Wohnhaus bezogen, absolut abstrus. So klingt die Regelung per se sinnvoll, wird aber halt auch wieder nicht mit belastbaren Fakten begründet. Und vor allem: wozu braucht die BI diese Anpassung, wenn sie per se gar keine WKA wollen (zumindest liest man das in den Ganzen Widersprüchen heraus)?

* Erhalt aller Wald-, Feucht-, Naturschutz- und Wasserschutzgebiete damit die Lebensräume für Menschen und Tiere nicht gefährdet werden und den nachfolgenden Generationen, den Kindern von morgen, erhalten bleiben.

Gilt das auch für den Strassenbau, für Vollernter, für Industriegebiete wie das neue vor Niedertegernau, oder wird hier schon wieder min zweierlei Mass gemessen?

* Aktualisierung der veralteten, technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm – kurz: TA Lärm.

Wieder so eine seltsame Forderung, eine Forderung wäre sinnvoll, wenn man fordert, was man will. So klingt das wie ein Demonstrant, der ein Schild mit der Aufschrift “Dagegen” oder “Dafür” hochhält. Was will er …?

Summa summarum sehen wir also zehn Thesen und sechs Forderungen, die nicht sachlich und fundiert sind und in einem demokratischen Prozess nichts zu suchen haben. Tragisch ist nämlich, dass es komplett destruktiv ist. Es gibt nach wie vor keinerlei Aussage, woher denn der Strom kommen soll, keine Aussage, wie wir in Zeiten des Klimawandels und der Umweltverschmutzung versuchen können, unseren Lebensstandard halbwegs zu halten.

Schade.

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Fahrwiderstand

Hier noch eine gute Zusammenfassung: https://www.energie-lexikon.info/fahrwiderstand.html

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Mehr Schnellfahren

Vor einer Weile habe ich über den Luftwiderstand geschrieben, jetzt will ich das noch kurz vervollständigen und den Rollwiderstand bzw. die Rollreibung in bzw. an den Reifen nachreichen.

Den Rollwiderstand kann man in sehr guter Näherung durch folgende Formel darstellen:

FR = cR * FN

FR ist dabei die Kraft, die es zu überwinden gilt, cR ist ein Koeffizient, zu dem kommen wir gleich, und FN ist die Normalkraft, also die Gewichtskraft des Autos.

Der Koeffizient cR lässt sich am besten experimentell ermitteln, oder man sucht sich einfach Quellen im Internet. Offenbar ist ein Wert von 0,01 bis 0,02 sinnvoll.

Die Gewichtskraft sollte die Leserin kennen, Masse in kg mal 9,81m/s2.

Damit können wir unseren Rechner auch schon prima erweitern:

cW:
Stirnfläche: m2
Gewicht PKW: kg
Geschwindigkeit: km/h
Wirkungsgrad: % (Tank zu Rad)
Koeffizient:
Luftwiderstand: N
Rollwiderstand: N
Ben. Leistung: kW
Diesel: l/100km
Benzin: l/100km

Aber immer noch gilt: Das hier gilt nur bei gleichmässiger Fahrt auf der Ebene, in der Realität bremst man gelegentlich, muss aber vor allem immer wieder beschleunigen, d.h. man wird mehr Kraftstoff verbrauchen ….

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Installing Open-Xchange 7.8 on UCS when the master is on 4.3

OX is on the verge of releasing Version 7.10. That version will not be supported on (or packaged for) Debian 8 Jessie, but only on Debian 9 Stretch (and of course RedHat and SuSE). On the other hand, 7.8.x will not be supported on (or packaged for) Stretch.

The latest UCS version is 4.3 at the moment. This is based on Debian Stretch.

Therefore the current OX is not supported on UCS 4.3, but according to Open Xchange an  Univention, OX 7.8.4 on UCS 4.2 is supported in an environment with 4.3 servers.

So, when your UCS master is running 4.3, you can theoretically run OX on a 4.2 server. This works fine when you installed OX while the master is still on 4.2 or earlier.

In my case, my master was on 4.3. In order to install OX, I set up a server with UC 4.2 and joined it to the master. This already broke on installation but worked in a later step flawlessly.

Next, I started to install OX:

Oopsie. But consistent: univention-app list doesn’t show oxseforucs on the master, therefore there are no package sources and no packages. Fsck.

So let’s do this manually:

Now you can install OX on the 4.2 server.

Done

 

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Postfix with dovecot-proxy or how to create a nice open mail relay …

A user on my new mail server noticed that he got a lot of bounces recently. First I thought of somebody sending spam with his sender address. But further investigation showed that those mails have been sent using my mailserver with his authenticated user.

Next guess: his password had been compromised. He checked all computers, changed passwords etc. Same result, mails are being sent using his credentials.

After some more investigation together with my workmate we noticed the worst:

Mails cloud be sent using any username/password combination. WTF?

Ok. System is Univention 4.3. Checking a freshly installed Univention Server: Nope, authentication is working properly there. Wtf.

Sasl is being used. /etc/postfix/sasl/smtpd.conf points to saslauthd.

testsalsauthd doesn’t help either as it shows correct results:

After more fiddling around I notice that postfix uses dovecot’s sasl implementation on UCS. I only used the Cyrus variant before and simply didn’t think of that. Fsck!

So let’s take a look at the dovecot logs:

Oopsie.

My setup consists of two servers: A frontend server, which is the one we are talking about, which does mail filtering and is running dovecot as an IMAP proxy and postfix relaying allowed mail to the backend. And a backend server with mail storage.

Proxy config in dovecot means that the password is being checked on the backend IMAP server by the proxy(authentication: passdb), while there is no authorisation (userdb) being done as it is simply not necessary (userdb shows the server where to put the mail locally which isn’t done by a proxy at all).

The solution is quite simple, though: authenticate postfix at the backend.

So let’s create an auth-listener on the backend-server. This is done in /etc/dovecot/10-master.conf, though it is UCS, let’s edit the template:

/etc/univention/templates/files/etc/dovecot/conf.d/10-master.conf

I chose port 144, chose the one you wish. Commit the changes (ucr commit /etc/dovecot/conf.d/10-master.conf). Restart dovecot.

We also need to take care of iptables:

Now go back to the frontend. We need to tell postfix to use this authenticator.

/etc/univention/templates/files/etc/postfix/main.cf.d/60_tls

Done.

Test with swaks:

Looks good now!

 

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Gegenwindwahn

Nachdem ich auf Fahrten durch das kleine Wiesental diverse Plakate mit markigen Aussagen gegen Windkraft und für den Schwarzwald gesehen habe, musste ich mich doch mal mit dieser Organisation beschäftigen. Also habe ich einfach mal auf der Facebook-Präsenz nachgefragt:

Wenn ihr schon „gegen“ Windkraft seid, wofür seid ihr denn ganz konkret? Unwirtschaftliche und riskante Kernkraft? Schmutzige Kohle? Und wo ist Euer Protest gegen Skilifte, Bundesstraße usw. Und wie vertragen sich Storch und Co mit Euren turbogeladenen Autos und deren Abgase?

Die erste Antwort, die ich erhalten habe (leider nicht gesichert, komme gleich dazu), zog primär darauf ab, zu sagen, dass Wind nicht versorgungssicher sei, Atomkraft dagegen schon. WTF?

Nach mehreren Nachfragen und Antworten von Mitgliedern dieser Gruppierung wurden erst manche Antworten meinerseits, inzwischen der ganze Thread gelöscht oder aus dem Zugriff entfernt. WTF?

Mehrfach kam die Anregung, das doch direkt zu diskutieren. Man mag also keine öffentliche Diskussion?

Ich habe daraufhin selber ein Posting dazu gemacht und auch mehrere Antworten erhalten. Zuletzt die Frage, warum ich denn meine Aussagen nicht belege. Gute Frage. Muss ich fragen, warum die Herren das nicht tun. Und vor allem, warum sie das offensichtlich nirgends tun.

Ich habe mir also mal ihre Website, www.schwarzwald-gegenwind.de, angeschaut, Stand: heute, 17.04.2018.

Über sie

Es beginnt mit News, die lasse ich mal aussen vor, sondern beginne mit “Über uns”. Das eröffnet mit:

Seit unserer Gründung im Dezember 2017 ist es uns hier, in unserer Region gelungen, mit breit gestreuten, objektiven Informationen die Öffentlichkeit zu erreichen.

Objektive Informationen, ja, das finde ich gut. Kurz darauf aber:

… und somit in den Sog des Windwahns geraten sind.

“Windwahn”? Ernsthaft? Billigste Polemik anstatt objektiver Informationen? Was denn nun?

Gemein ist uns allen, dass wir das, was gemeinhin als regenerative Energien bezeichnet wird, vollends unterstützen.

Ah, schon mal gut, das merken wir uns!

Dies insbesondere von Profit orientierten kommerziellen Unternehmen, die sich im Windschatten eines durch Lobbyisten auf fragwürdige Weise beförderten fehlgeleiteten „Erneubare-Energien-Gesetzes“ auf Kosten aller Bürger/innen dieses Staates bereichern.

Ja, das muss man schon pauschal so anprangern. Natürlich muss man eingestehen, dass nicht wenige dieser Akteure bei der öffentlichen Hand angestellt sind, also nicht unmittelbar von irgend welchen profitorientierten, kommerziellen Unternehmen profitieren. Ausser von den Steuermitteln, die diese Unternehmen bezahlen.
Ich frage mich aber viel mehr, von wem genau diese Leute den Strom sonst beziehen wollen? Von der EnBW eV, die komplett antimokmmerziell Strom für alle aus Luft schöpft (Ja, das ist auch Polemik, keine Frage). Bisher konnte mir jedenfalls niemand sagen, wie diese Initiative sich das vorstellt. Weiter im Text

Zu diesen Unternehmen gehören traditionelle Stromanbieter, wie auch EnBW oder die sich mit schönen, attraktiven Marketing-Attributen schmückenden Windfall-Profiteure wie EWS, die nach der Privatisierung und Liberalisierung der Strommärkte das Licht der Strom-Welt erblickt haben.

Und noch mehr Polemik. Noch immer ist die Frage offen, von welchem Monopolisten ohne Gewinnabsichten und ohne liberalisierten Strommarkt die Initiative gerne ihren Strom hätte. Und wie sich diese Polemik mit der obigen Aussage, dass sie vollends regenerative Energien unterstützen (ohne die EWS und ihren Kampf für einen liberalen Strommarkt hätten wir nach wie vor einen unteren einstelligen Prozentsatz an regenerativen Energien, nämlich die Wasserkraft, die schon von EnBW, eOn und Co. betrieben wurde, ganz ohne Ausbau. Und weiterhin und dauerhaft immense Subventionen für die klassischen Energieträger, die weiter komplett konkurrenzlos wären.

Und es geht weiter:

Die Unterstützung, die diese nachgerade nicht uneigennützig agierenden Protagonisten der Branche von Politik und Verwaltung erhalten, geht zurück auf ein grundlegendes Missverständnis von Demokratie. Denn nach bisherigem Verständnis – zumindest unserer Verfassung – sollten die sich hier in Amt und Würden befindlichen Politiker, Volksvertreter und für den Staat Beschäftigten zuvorderst dem Wohl der Bevölkerung verpflichtet fühlen.

Daher soll man also auf vergleichsweise kleine WKAs verzichten und lieber Kohle- und Atomstrom verwenden, die beide klar auf Kosten der Bevölkerung funktionieren (extrem hohe Subventionen seit Jahrzehnten1)? Dass hier nicht die Demokratie (die dient zur Regierungsbildung), sondern viel mehr die freiheitlich demokratische Grundordnung gemeint ist, sei nur am Rande erwähnt.

Enden tut diese Seite mit einem markigen, fettgedruckten Satz:

Ihnen gilt nicht nur unsere Aufmerksamkeit, sondern aus berechtigten Gründen unser Kampf für eine gesunde Umwelt, die Heimat bleiben soll für die Menschen, mit einer Natur, die unser Leben erst ermöglicht.

Harte Worte. Die Vereinigung ist also gegen etwas und will einen Kampf führen. Harte Worte. Warum dieser Kampf aber kein Konzept beinhaltet und argumentativ dahin führt, dass man halt im Zweifel damit leben muss, dass Fessenheim hoch geht und der Südschwarzwald zum nicht kleinen Teil schlicht unbewohnbar für Mensch und Tier ist, das scheint in diesem Rahmen sinnvoll zu sein. Prima.

Wissenswerte Technik über WKAs

So, nachdem wir nun das allgemeine Verständnis dieses Vereines (ich weiss immer noch nicht, wie ich diese Gemeinschaft wirklich bezeichnen soll/kann/darf) gesehen (wenn auch nicht verstanden) haben, schauen wir mal, wie ihre oben genannten objektiven Informationen so aussehen und vor allem, wie sie, wenn schon von mir gefordert, belegt sind.

Den Anfang macht ein Kapitel “Technik von Windkraftanlagen”. Prima, findet der Ingenieur in mir spannend.

Windkraftanlagen sind zufallsgenerierende und damit unzuverlässige Stromerzeuger und decken gerade einmal 1,2 bis 1,7 Prozent des Primär-Energiebedarfs beim derzeitigen Ausbaustand in Deutschland;

Spätestens hier wäre die eine oder andere Quellenangabe hilfreich. Liefern sie nicht. Dann mache ich das mal. Erstens: Windkraftanlagen sind sowohl im kleinen wie im grossen genauso gut oder schlecht prognositizierbar wie die Abnahme von elektrischer Energie aus dem Verbundnetz. Bei WKAs nutzt man im Allgemeinen die MCP-Methode, z.B. hier recht gut erläutert. Warum das nicht genannt wird? Entweder hat der Autor der Gegenwind-Seite einfach keine Ahnung oder es ist strategisch gemeint. Keine Ahnung.
Die zweite Hälfte des Satzes ist noch spannender, entweder zeugt sie von wirklich katastrophalem Unwissen, oder hier will einfach jemand die Wahrheit so weit biegen, dass Zahlen rauskommen, die im passen. Die Primärenergie bzw. der Primärenergiebedarf (ohne Bindestrich, btw) stellt die Summe aller eingesetzten (verbrauchten, also in irgend einer Weise umgewandelten) Energien in einem Land dar. Das ist neben Strom auch Heizung, Verbrennung von Benzin für Antriebe etc.2. In Zahlen:

  • Gesamter Primärenergiebedarf in Deutschland 2017: 13.525PJ, das sind ca. 3500TWh.
  • Der Endenergiebedarf in Deutschland lag 2016 bei ca. 9200PJ, das sind ca. 2500TWh.
  • Gesamter Stromverbrauch in Deutschland 20153: 600TWh.
  • Der Strom stellt also gerade mal ca. ein Viertel der Endenergie und, wenn man sich die einzelnen Energieträger mit ihren Wirkungsgraden4 anschaut, wohl einen ähnlichen Anteil der Primärenergie dar.

Nun lag der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung (nur hier ergibt der Vergleich Sinn!) 2017 bei 16,1%. Sieht schon besser aus als die 1,2-1,7% von oben, die einfach die falsche Zahlenbasis verwendet.

Weiter:

Der Zubau fossiler Kraftwerke wird essentiell durch Windkraftanlagen gefördert, denn konventionelle Kraftwerke müssen die Netzstabilität zu jedem Zeitpunkt absichern. Insbesondere im Dreiländereck werden zur Grundlastsicherung und zum Stromtransport auch die nuklearen Kraftwerke unserer Nachbarländer in Anspruch genommen.

Und wieder nur die halbe Wahrheit. Zum einen ist es nicht sinnvoll, pauschal von “fossilen Kraftwerken” zu sprechen, da das genauso alte, schmutzige, ineffiziente und kaum regelbare Kohlekraftwerke beinhaltet wie auch moderne Gaskraftwerke, die leicht regelbar und schnell zu- und abschaltbar sind. Und die, bei allen Vor- und Nachteilen, auch mit Biomasse betrieben werden können. Zum anderen ist diese Absicherung doch um einiges komplizierter und gerade Atom- und Kohlekraftwerke eignen sich dazu eher schlecht, weil sie kaum und nur träge regelbar sind. Der Fachmann weiss, dass gerade diese trägen Kraftwerke eine externe Regelkapazität (klassisch z.B. Pumpspeicherkraftwerke, inzwischen auch häufig Solar- und Windkraftanlagen ebenso wie auch Batterien) benötigen. Sollte der Ersteller der Gegenwindseite eigentlich auch wissen, wollte er oder sie das verschweigen?

Sehr amüsant dann der zweite Satz: Wir reden im ersten Satz von fossilen Kraftwerken, um das dann mittels “insbesondere” dadurch zu bekräftigen, dass im Dreiländereck zur Grundlastsicherung und zum Stromtransport5 auch die nuklearen Kraftwerke nutze. Natürlich ohne Quellenangabe, einfach so als Behauptung in den Raum gestellt.

Dann folgt ein ganzer Block, auf den ich aus Zeitgründen nicht eingehen möchte, der aber, wie nahezu alles andere, nur aus Behauptungen, teilweise richtig, teilweise falsch, teilweise halbrichtig, besteht, die an keiner Stelle belegt werden.

Nun wird es aber spannend, es folgt eine Quellenangabe. Um die Spannung zu lindern: die Aussage, die gemacht wird, ist falsch, die Quelle behauptet schlicht das Gegenteil. Wir lesen:

Des weiteren bewirken Windkraftanlagen einen kostenlosen Stromtransport ins Ausland aufgrund einer nicht steuerbaren Zufallsproduktion durch Windkraft. Manchmal müssen wir die Abnahme unseres überschüssigen Stroms  den Nachbarländern sogar bezahlen (siehe Video: https://www.zdf.de/verbraucher/wiso/verschenkter-strom-102.html).

Wenn man sich das Video anschaut, hört man eine Dame folgendes sagen:

“Die Ursache liegt ja darin, dass wir in Zeiten mit sehr viel Strom aus Erneuerbaren Energien die konventionellen Kraftwerke, insbesondere Kohlekraftwerke, nicht ausreichend vermindern und nicht ausreichend drosseln”

Und so geht es weiter, das Problem sind eben genau nicht die Erneuerbaren Energien, sondern die quasi unregierbaren Kohlekraftwerke. Danach geht es noch um die EEG-Umlage (gegen die können die Gegenwind-Leute an sich ja nichts haben, sie sind ja für erneuerbare Energien), es wird aber wie so oft vereinfacht und damit falsch dargestellt. Es ist richtig, dass die negativen Strompreise6 sich in die EEG-Umlage einrechnen. Allerdings machen sie weniger als ein Viertel der EEG-Umlage aus. Auch hier hat der Ersteller der Gegenwind-Seite keine Ahnung oder Übles im Schilde.

Ein weiterer interessanter Satz:

Zusätzlich haben Windkraftanlagen einen überproportional hohen Flächenverbrauch. Um zum Beispiel die dauerhafte Leistung nur eines 2.000 MW-großen Steinkohlekraftwerks zu erzielen wären ca. 900 Windkraftanlagen (ohne dauerhafte Leistung!) auf einer Länge von ca. 280 km erforderlich.

Mal wieder ohne Quelle. Spannend wäre, zu wissen, inwiefern hier der Tagebau und dessen Platzbedarf eingerechnet wurde, und wie genau man Platzbedarf aufrechnet.

Unwirtschaftlich

Im folgenden Kapitel geht es den Erstellern um die Wirtschaftlichkeit. Spannend.

Windkraftanlagen haben eine extrem niedrige Effizienz von 14 – 18 Prozent der Nennleistung/installierten Leistung  im Bundesdurchschnitt,  in BW sind es < 5 – 13 % (ausgehend von den jährlichen Jahresnutzungsstunden. Deutschlandweite Jahresnutzungsstunden gerade einmal ca. 1.650, BW ca. 1.150  im Vergleich zu 8.760 Stunden im gesamten Jahr).

Hmm, was ist hier wohl gemeint? Effizienz kann im technischen Sinne die Energieeffizienz meinen. Ergibt hier keinen wirklichen Sinn, da man im Gegensatz zum zB. Kohlekraftwerk, dem man ständig unter Energieaufwand Brennstoff zuführen muss, keinen Kraftstoff braucht, nur ein kleines Bisschen Energie zur Wartung der Anlage. Da ist dann nur interessant, ob die Anlage in ihrem Leben mehr Energie erzeugt als sie verbraucht. Das tut sie!

Dann kann es sein, dass der Ersteller, falls es die selbe Person wie oben war, halt nicht wirklich wusste, um was es geht, und eigentlich die Effektivität meinte. Könnte passen, nur ist das kein sinnvolles Maß. Das ist so, wie wenn man sagt, dass ein Ferrari nichts taugt, weil seine Nennleistung von 800PS nahezu nie abrufen wird. Ergibt schlicht keinen Sinn.

Also reden wir von der wirtschaftlichen Effizienz. Dazu brauchen wir aber Zahlen: Was kostet die WKA, wie viel Geld bringt sie ein, wenn sie Strom produziert. Das Verhältnis der beide ist dann die wirtschaftliche Effizienz, die Wirtschaftlichkeit. Leider geht es hier um Stunden, nicht um Geld, passt also auch nicht.

Verstehe ich nicht. Aber halt auch wieder alles ganz ohne Quellenangaben. Egal. Weiter:

Des Weiteren ist der Eigenverbauch von WKA ist enorm: ca. 6-15 Prozent der realen Leistung …

Hier ist wieder jemand mit technischen Verständnislücken am Werk: Wenn man vom Verbrauch spricht, meint man Energie, nicht Leistung. Aber egal. Nur: Was hier steht, ist nicht belegt (und so pauschal auch nicht richtig), und vor allem unsinnig. Im Absatz weiter oben wird von der Energie geredet, die eingespeiesen wird. Bei dem Energiebetrag ist der Eigenstrom natürlich schon mit eingerechnet, es geht ja nur um die Bilanz. Das nochmal aufzuführen, ist nicht zielführend und entweder ein Fehler oder mal wieder böswillige Absicht.

Und danach kommt wieder der Bezug zur Grundlast, als ob unser extrem dynamisches Netz ausschliesslich aus Grundlast bestünde und von irgend jemandem gefordert werde, dass wir ausschliesslich WKAs haben sollen, die dann durchgehend und an jedem Ort den kompletten Lastgang abbilden sollen. Dazu kommt, dass hier, wie nur all zu oft, Grundlast und Versorgubgssicherheit in einen Topf geworfen werden. WKAs sind keine klassischen Grundlastkraftwerke, beim Thema Versorgungssicherheit spielen sie aber die selbe Rolle wie Kernkraftwerke7Klare Irreführung durch Halbwahrheiten.

Mensch und Tier, Flora und Fauna

Nun geht es weiter mit Auswirkungen auf den Menschen. Vorweg: ich wollte auch keine grosse WKA neben meinem Haus stehen haben. Ich möchte aber auch keine Industrieanlage und keine Bundesstrasse neben meinem Haus stehen haben. Daher versucht man, all das eben nicht neben Menschen zu bauen, soweit es geht. Die WKAs im Südschwarzwald sind meines Wissens ganz explizit mitten im Wald geplant, nicht im Dorf. Weiter im Text:

indkraftanlagen emittieren Schall in Form von hörbarem Lärm. Lärm, der sich aufgrund der in Höhe und Ausmaß extrem gewachsenen WKA verstärkt hat und der sich nachweislich in den Tälern der Mittelgebirgslagen durch Schallwirkung noch verstärkt, der Stress hervorruft und gesundheitsbeeinträchtigend wirkt – physisch wie psychisch.

Soso, “nachweislich”. Prima. Wenn das nachweislich ist, warum wurde der Nachweis nicht direkt mitgeliefert? Seltsam. Hilfreich wären hier nun Angaben, um welche Werte es sich (z.B. in sone) handelt. Und vor allem wie die im Vergleich so sind. Immerhin – oben war vom Industriestandort Deutschland die Rede – gibt es auch viele andere Sachen, die Lärm machen, z.B. Strassen, Landmaschinen, Baumaschinen, Menschen, Industrieanlagen, Fussballstadien usw. So steht da halt, dass die irgend welchen Lärm machen, aber nicht wie viel und wie tragisch.

So, nach dem Schall geht es nun um Infraschall. Achtung: es folgen gleich zwei Quellenangaben. Oder auch nicht. Oder vielleicht doch? Hmm.

Bei Infraschall handelt es sich um Schallwellen, im nicht-hörbaren Bereich. Diese werden von ca. 10 – 30 % der Bevölkerung wahrgenommen. Zum Thema Infraschall gibt es durchaus – entgegen den Darstellungen der Windkraftbetreiber und der Genehmigungsbehörden – anwendbare Studien, die die starken negativen gesundheitlichen Auswirkungen klar und deutlich identifizieren (Link zum Artikel der Mainzer Forscher).  Infraschall-Signale unterhalb der Hörschwelle aktivieren drei Gehirnbereiche, die von hörbarem Schall nicht angesprochen werden.

Es folgen weitere Punkte, ein weiterer Link.

Das Spannende: Beide Links führen zum selben Interview mit einem Forscher, einfach auf zwei Seiten. Im Gegensatz zum Text führt kein Link zum Artikel der Forscher.

Noch interessanter: Das Interview gibt die Aussage der Gegenwind-Seite schlicht nicht her. Der interviewte ist, gewohnt Forscher, sehr vage. An keiner Stelle verwendet er den Indikativ, er redet nur von Möglichkeiten und Eventualitäten.
Die Gegenwindseite macht daraus dann aber absolute Aussage.

Also hat hier wieder jemand nicht verstanden, was da stand, oder hat es mit der Wahrheit nicht so genau genommen. Das der zweite Link auf eine “Abschrift” des selben Interviews auf einer Seite, die schon den nicht gerade Objektivität vermittelnden Namen “Windwahn” trägt, führt, sei nur am Rande erwähnt.

Als letztes dann noch ein Abschnitt über Schlagschatten und die Probleme, die dieser anscheinend auslöst, natürlich gewohnt ohne irgend eine Quellenangabe. Dazu ein Video mit dem Schatten, der auf einer Wiese pulsiert (wie gesagt, ich verstehe das Problem, wenn es direkt am Fester ist etc.). Genau so pulsieren die Schatten, wenn man sich bei tierstehender Sonne mal eine Strasse, auf der Auto fahren, aus dem Profil anschaut. Oder wenn man einen Baukran neben dem Haus stehen hat. Oder wenn tiefe, lockere Wolken die Sonne durchlassen.

Quintessenz

Langsam verliere ich die Lust an so viel Korrektur. Es gibt fünf weitere Positionen, die ich uns allen ersparen will, nur zwei seien noch erwähnt, weil sie so ins Auge stechen:

Zum einen die Links. Sie führen allesamt zu Seiten, die (siehe “Windwahn”) eindeutig wie einseitig gegen Windkraft positioniert sind. Nichts mit objektiver Wahrheit.

Zum anderen die Alternativen. Ich würde eher von Ergänzungen sprechen, aber da die Leute da ja sehr emotional gegen Windkraft agieren, ist es wohl nicht vorstellbar, dass mehrere Energieträger sich ergänzen. Der Mix der Alternativen ist

Photovoltaikanlagen mit Energiespeichern
Weitere Informationen folgen in Kürze.

Ok, feine Sache, allerdings kann man sicher auch da was negatives finden, gerade das mit der Effizienz von oben ist bei PV halt auch nicht das gelbe vom Ei. Und beim Thema EEG und Negativstrompreis ist das halt auch das Selbe. Warum gelten die “Argumente” von oben hier nicht?

Nahwärmenetze
Weitere Informationen folgen in Kürze.

Hmm, ein Nahwärmenetz kann also Strom produzieren. Wie macht es das? Peltierelemente um die Rohre? Mikrowasserkraftwerke in den Rohren?

Wasserkraft
Weitere Informationen folgen in Kürze.

Prima.

Geothermie
Weitere Informationen folgen in Kürze.

Schon mal über Effizienz geredet, wenn man aus Geothermie Strom gewinnen will …?

Hackschnitzelanlagen/moderne Holzheizungen
Weitere Informationen folgen in Kürze.

Ich dachte, es ginge um den Schutz des Schwarzwaldes. Da ist Hausbrand wohl eher nicht das gelbe vom Ei. Und Pappel-Monokulturen incl. viel Düngung für hohen Hackschnitzelertrag sind auch nicht unbedingt erstrebenswert. Und ob sich die Natur wirklich mehr an einer WKA als an Motorsägen und Traktoren, Prozessoren, Rückwagen und Unimogs stört, wüsste ich dann auch sehr gerne.

Niedervolt Hausstrom
Weitere Informationen folgen in Kürze.

Vermutlich ist damit Gleichspannungsversorgung im Verteilernetz gemeint (wir wissen ja, dass die Seite nicht gerade von Fachleuten erstellt wurde). Wie das Strom generieren soll (also eine Alternative zur WKA bildet) weiss ich nicht, dass das aber im Verteilernetz keine gute Idee ist, wusste schon Tesla vor fast zweihundert Jahren. Und auch wenn wir inzwischen IGBTs haben, gilt halt immer noch die selbe Physik, die einfach mehr Kupfer bei gleich viel Energie fordert. Und Kupfer ist umweltschädlich (Abbau) und teuer…

 

Summa summarum besteht die Seite aus Halbwissen, mutmasslich absichtlichen Fehlinformationen und einer extremen Abwesenheit von Quellen.

 

Schade, aber halt leider genau das, was die Facebook-Diskussion schon erwarten liess…

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Auto vs. Strom

Nachdem ich mich vor einer Weile schon mal im Grossen mit dem Thema Strom fürs Auto auseinandergesetzt habe, hier mal im Kleinen.

Wie sieht denn effektiv momentan die Bilanz zwischen einem Elektroauto und einem Verbrenner aus? Wir schauen mal wieder auf’s CO2, einfach weil es in aller Munde und zumindest halbwegs vergleichbar ist. Erst mal wollen wir rein den Kraftstoff betrachten:

In unserem aktuellen Strommix werden laut Umweltbundesamt pro kWh ca. 520g CO2 frei1.

Die Netzverluste4. Damit sind wir an der Steckdose bei ca. 554g CO2/kWh.

Die Ladeverluste liegen je nach Ladegeschwindigkeit bei ca. 10-25%5, wir gehen pessimistisch von 25% aus, ergibt also 739g CO2 pro geladener kWh.

Nun braucht ein halbwegs aktuelles Elektroauto ca. 17kWh/100km. Sein Treibstoff erzeugt folglich 12,6kg CO2/100km oder halt 126g/km. Das wiederum entspricht 4,75l Diesel.

Laut Spritmonitor sind wir damit in der Praxis im Bereich eines Diesel- oder Benzin-Kleinstwagens oder eines Vollhybriden.

 

 

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Howto: Using check_mk/WATO via ssh and jumphost

I thought I’d pen this down right here as it took me a bit to really figure this out.

Problem: I have some Hosts I would like to monitor but I cannot access them directly (VPN also isn’t an option in this case), so I would like to monitor them using SSH, some directly, some behind a jumphost.

 

Usually the check_mk uses xinetd listening on Port 6556 only limited by allow_from in xinetd config and maybe iptables. This is fine in a closed, trusted environment but not really over public networks.

We could now either use VPN or tunnel the port through ssh port forwarding, but I found it more convenient just using ssh as a datasource program.

Preparing the nodes

We surely won’t use passwords for this, but rather a key with very limited capabilities.

So, first go to the monitoring site (make sure to do this as the monitoring user) and create a key pair:

Don’t use a passphrase. Now append the public key to the authorized_keys file on the monitored nodes. I am using ansible for this:

This results in:

Now you can ssh to that node from the monitoring host using the key, you should then get the output of the check_mk_agent.

Fine.

Case 1: Directly accessible node

In WATO, go to Host & Service Parameters => Datasource Programs => Individual program call instead of agent access.

We give a simple name and the command line using the <IP> macro.

Some hosts have issues spawning a tty, so we omit that with -tt. I also had some issues with the host keys which afford disabling StrictHostKeyChecking.

I am using this rule for all monitored hosts, therefor I don’t need any rules set up. If you only want to apply these rules to single hosts, just add their names below, or better create a rule as shown in the jumphost example below.

Case 2: Nodes behind jumphost

We use the same approach with a jumphost, just adding that host in between.

We extend our ssh line by -J jump@jumphostMake sure that you don’t use the root account on the jump host!

If you are using an older or different version of SSH which doesn’t support the -J switch, you need to do it using the old style -W version.

As I only want specific nodes to be monitored using the jumphost, I created another choice in the networking host tags, so all Hosts tagged with “No ping possible” are monitored using the jumphost.

Now another issue arises: Ping fails, which means that all services are being monitored properly while the host has the status “down”. So we need to change that, too with another rule, also tagged with the same tag above.

Go to Host & Service Parameters => Monitoring Configuration => Host Check Command and add a new rule.

Switch the command from PING to Use the status of the Check_MK Agent and chose the correct host tag.

Done.

 

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Keiner kann sich mehr ein Auto leisten

Man liest oder hört irgendwie ständig, wie früher alles besser war und dass sich der Deutsche noch nicht mal mehr ein Auto leisten könne.

Stimmt das?

Damals

Nehmen wir DAS Durchschnittsauto: den Golf.

Vor 25 Jahren hat ein Golf 3 CL (Einstiegsmodell) recht genau 20.000DM gekostet1. Wohlgemerkt, ganz ohne ABS, Airbag usw. Ausstattungshighlights sind Make-Up-Spiegel und Analoguhr. Noch nicht mal ein Radio war drin.

VW Golf

Inflationsbereinigt sind das heute etwas mehr als 15.000EUR.

Lohn

Nun kann man überlegen, wie denn damals wohl das Einkommen aussah. Ich war damals Schüler, hatte Taschengeld und meine ersten Ferienjobs incl. Zeitungsaustragen. Zu wenig für einen Golf. Die damaligen Erwachsenen hatten dagegen Jobs und haben mehr oder weniger viel Geld verdient. Überraschenderweise inflations- und kostennormalisiert recht genau gleich viel wie heute, bzw. ca. 3% mehr2. D.h. wir können relativ gut vergleichen, wie viel Auto wir heute für den selben Betrag, also die 15.000EUR, bekommen.

Heute

Ok, was kostet denn heute ein Golf? Einstiegspreis 17.850 Euro. Aha! Fast 20% teurer. Kann sich also wirklich keiner mehr leisten. Gerücht bestätigt.

Moment!

Der aktuelle Golf hat im Einstiegsmodell schon einiges, was der Golf drei entweder gar nicht oder nur in teureren Ausstattungen hatte: Klimaanlage, Wärmeschutzverglasung, elektrische Fensterheber usw. Noch dazu war der Golf 3 4,02m lang und 1,7m breit, während der aktuelle Golf VII halt mit 4,25m Länge und 1,8m Breite schon fast eine damalige Klasse grösser ist. Aha, sagt der werte Sparer, ich muss also, um das selbe Auto zu bekommen, mehr kaufen als ich will.

Muss er das?

VW Golf 1.4 TSI BlueMotion Technology CUP (VII) – Heckansicht, 15. Juni 2014, DüsseldorfSchauen wir mal eins nach unten. Der aktuelle Polo ist mit 4,05mx1,75m ziemlich genau gleich gross wie der damalige Golf, die Basisausstattung ist etwas besser als beim Golf 3, das Auto fährt sich garantiert komfortabler und sicherer. Und kostet laut Liste 13.000Euro.

 

Summa Summarum

Wir verdienen im Schnitt also in etwa gleich viel wie vor 25 Jahren, dafür kostet ein in etwa vergleichbares, wenn auch in nahezu allen Belangen etwas besseres Auto über 10% weniger als damals.

Wir dürfen uns also definitiv nicht darin verlieren, dass das Auto, was heute Golf heisst, ein anders Auto ist als das, was vor 25 Jahren Golf hiess. Wenn wir uns das merken, dann sind Neuwagen heute sogar im Schnitt günstiger als damals. Prima. Oder auch nicht, weil es eigentlich schon zu viele Autos gibt!

 

 

 

 

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Schnellfahren?

Weil ich den Überschlag sowieso gerade mal gemacht habe, hier noch mal festgehalten:

Wenn ich mit einem Golf 180 km/h schnell fahre, wie viel Diesel brauche ich dann mindestens?

Antwort: Keine Ahnung, aber ich rechne zumindest mal das aus, was ich zur Überwindung des Luftwiderstands brauche:

Der Luftwiderstand FL (Das ist eine Kraft, logisch, die zieht ja am Auto) bestimmt sich durch Luftdichte ϱ1, Geschwindigkeit v in Meter pro Sekunde, dem Luftwiderstandsbeiwert cW2 und der Stirnfläche A des Fahrzeugs.

FL = ϱ/2 * cW * A * v2

 

Wir nehmen folgende Zahlen:

  • Die Luftdichte ϱ beträgt im Mittel ca. 1,2kg/m3
  • Der cW-Wert eines Golf VI beträgt ca. 0,3
  • Die Stirnfläche eines Golf VI beträgt 2,38m2
  • Wir gehen von 180km/h aus, das sind 50m/s

Daher:

FL = 1,2kg/m3 / 2 * 0,3 * 2,38m2 * (50m/s)2 = 1071N

Die Leistung dafür ist definiert als Kraft mal Geschwindigkeit, also

P = FL * v = 1071N * 50m/s = 53.550W = 53,55kW

Wir brauchen also 53,55kW, das sind ca. 73PS, Motorleistung, nur um bei 180km/h den Luftwiderstand zu überwinden. Was bedeutet das in Kraftstoff?

Nun wissen wir ja, dass in einem Liter Diesel ca. 10kWh an Energie gespeichert sind.

Ein guter Dieselmotor schafft bei Volllast unter Optimalbedingungen ca. 35% Wirkungsgrad am Rad3.

Wenn wir eine Stunde lang konstant 180km/h auf ebener Fläche fahren, dann brauchen wir nach obiger Rechnung folgende Energiemenge:

53,55kW * 1h = 53,55kWh

Da wir von den 10kWh an Energie im Diesel nur 3,5kWh zum antreiben verwenden können, brauchen wir also dafür:

53,55kWh / 3,5kWh/l = 15,3l

Da wir in dieser Stunde 180km weit gefahren sind, rechnen wir noch auf 100km runter:

15,3l / 1,8 = 8,5l

Wir brauchen für 100km bei 180km/h 8,5l Diesel, alleine um den Luftwiderstand zu überwinden (dazu kommt dann noch die Rollreibung, Walkverluste4, leichte Beschleunigung, Unebenheit etc.). Meistens müssen wir dabei aber immer wieder abbremsen (das verbraucht keinen Kraftstoff) und dann aber wieder beschleunigen (das verbraucht viel mehr Kraftstoff, da ja die 1,5t Blech auch noch beschleunigt werden wollen).

Alleine das reicht schon als Argument für ein allgemeines Tempolimit auf ca. 130km/h …

Und langsamer

Daher noch schnell die auf dem selben Weg gerechneten Zahlen für eine Geschwindigkeit von 130km/h:

  • Luftwiderstand: 560N
  • Benötigte Leistung: 20kW bzw. 27PS
  • 5,2l Diesel in einer Stunde (130km weit)
  • 4,38l Diesel auf 100km

Also locker die Hälfte an Spritverbrauch nur beim Luftwiderstand.

Hier noch ein kleiner Rechner:

cW:
Stirnfläche: m2
Geschwindigkeit: km/h
Wirkungsgrad: % (Tank zu Rad)
Luftwiderstand: N
Ben. Leistung: kW
Diesel: l/100km
Benzin: l/100km