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Keiner kann sich mehr ein Auto leisten

Man liest oder hört irgendwie ständig, wie früher alles besser war und dass sich der Deutsche noch nicht mal mehr ein Auto leisten könne.

Stimmt das?

Damals

Nehmen wir DAS Durchschnittsauto: den Golf.

Vor 25 Jahren hat ein Golf 3 CL (Einstiegsmodell) recht genau 20.000DM gekostet1. Wohlgemerkt, ganz ohne ABS, Airbag usw. Ausstattungshighlights sind Make-Up-Spiegel und Analoguhr. Noch nicht mal ein Radio war drin.

VW Golf

Inflationsbereinigt sind das heute etwas mehr als 15.000EUR.

Lohn

Nun kann man überlegen, wie denn damals wohl das Einkommen aussah. Ich war damals Schüler, hatte Taschengeld und meine ersten Ferienjobs incl. Zeitungsaustragen. Zu wenig für einen Golf. Die damaligen Erwachsenen hatten dagegen Jobs und haben mehr oder weniger viel Geld verdient. Überraschenderweise inflations- und kostennormalisiert recht genau gleich viel wie heute, bzw. ca. 3% mehr2. D.h. wir können relativ gut vergleichen, wie viel Auto wir heute für den selben Betrag, also die 15.000EUR, bekommen.

Heute

Ok, was kostet denn heute ein Golf? Einstiegspreis 17.850 Euro. Aha! Fast 20% teurer. Kann sich also wirklich keiner mehr leisten. Gerücht bestätigt.

Moment!

Der aktuelle Golf hat im Einstiegsmodell schon einiges, was der Golf drei entweder gar nicht oder nur in teureren Ausstattungen hatte: Klimaanlage, Wärmeschutzverglasung, elektrische Fensterheber usw. Noch dazu war der Golf 3 4,02m lang und 1,7m breit, während der aktuelle Golf VII halt mit 4,25m Länge und 1,8m Breite schon fast eine damalige Klasse grösser ist. Aha, sagt der werte Sparer, ich muss also, um das selbe Auto zu bekommen, mehr kaufen als ich will.

Muss er das?

VW Golf 1.4 TSI BlueMotion Technology CUP (VII) – Heckansicht, 15. Juni 2014, DüsseldorfSchauen wir mal eins nach unten. Der aktuelle Polo ist mit 4,05mx1,75m ziemlich genau gleich gross wie der damalige Golf, die Basisausstattung ist etwas besser als beim Golf 3, das Auto fährt sich garantiert komfortabler und sicherer. Und kostet laut Liste 13.000Euro.

 

Summa Summarum

Wir verdienen im Schnitt also in etwa gleich viel wie vor 25 Jahren, dafür kostet ein in etwa vergleichbares, wenn auch in nahezu allen Belangen etwas besseres Auto über 10% weniger als damals.

Wir dürfen uns also definitiv nicht darin verlieren, dass das Auto, was heute Golf heisst, ein anders Auto ist als das, was vor 25 Jahren Golf hiess. Wenn wir uns das merken, dann sind Neuwagen heute sogar im Schnitt günstiger als damals. Prima. Oder auch nicht, weil es eigentlich schon zu viele Autos gibt!

 

 

 

 

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Schnellfahren?

Weil ich den Überschlag sowieso gerade mal gemacht habe, hier noch mal festgehalten:

Wenn ich mit einem Golf 180 km/h schnell fahre, wie viel Diesel brauche ich dann mindestens?

Antwort: Keine Ahnung, aber ich rechne zumindest mal das aus, was ich zur Überwindung des Luftwiderstands brauche:

Der Luftwiderstand FL (Das ist eine Kraft, logisch, die zieht ja am Auto) bestimmt sich durch Luftdichte ϱ1, Geschwindigkeit v in Meter pro Sekunde, dem Luftwiderstandsbeiwert cW2 und der Stirnfläche A des Fahrzeugs.

FL = ϱ/2 * cW * A * v2

 

Wir nehmen folgende Zahlen:

  • Die Luftdichte ϱ beträgt im Mittel ca. 1,2kg/m3
  • Der cW-Wert eines Golf VI beträgt ca. 0,3
  • Die Stirnfläche eines Golf VI beträgt 2,38m2
  • Wir gehen von 180km/h aus, das sind 50m/s

Daher:

FL = 1,2kg/m3 / 2 * 0,3 * 2,38m2 * (50m/s)2 = 1071N

Die Leistung dafür ist definiert als Kraft mal Geschwindigkeit, also

P = FL * v = 1071N * 50m/s = 53.550W = 53,55kW

Wir brauchen also 53,55kW, das sind ca. 73PS, Motorleistung, nur um bei 180km/h den Luftwiderstand zu überwinden. Was bedeutet das in Kraftstoff?

Nun wissen wir ja, dass in einem Liter Diesel ca. 10kWh an Energie gespeichert sind.

Ein guter Dieselmotor schafft bei Volllast unter Optimalbedingungen ca. 35% Wirkungsgrad am Rad3.

Wenn wir eine Stunde lang konstant 180km/h auf ebener Fläche fahren, dann brauchen wir nach obiger Rechnung folgende Energiemenge:

53,55kW * 1h = 53,55kWh

Da wir von den 10kWh an Energie im Diesel nur 3,5kWh zum antreiben verwenden können, brauchen wir also dafür:

53,55kWh / 3,5kWh/l = 15,3l

Da wir in dieser Stunde 180km weit gefahren sind, rechnen wir noch auf 100km runter:

15,3l / 1,8 = 8,5l

Wir brauchen für 100km bei 180km/h 8,5l Diesel, alleine um den Luftwiderstand zu überwinden (dazu kommt dann noch die Rollreibung, Walkverluste4, leichte Beschleunigung, Unebenheit etc.). Meistens müssen wir dabei aber immer wieder abbremsen (das verbraucht keinen Kraftstoff) und dann aber wieder beschleunigen (das verbraucht viel mehr Kraftstoff, da ja die 1,5t Blech auch noch beschleunigt werden wollen).

Alleine das reicht schon als Argument für ein allgemeines Tempolimit auf ca. 130km/h …

Und langsamer

Daher noch schnell die auf dem selben Weg gerechneten Zahlen für eine Geschwindigkeit von 130km/h:

  • Luftwiderstand: 560N
  • Benötigte Leistung: 20kW bzw. 27PS
  • 5,2l Diesel in einer Stunde (130km weit)
  • 4,38l Diesel auf 100km

Also locker die Hälfte an Spritverbrauch nur beim Luftwiderstand.

Hier noch ein kleiner Rechner:

cW:
Stirnfläche: m2
Geschwindigkeit: km/h
Wirkungsgrad: % (Tank zu Rad)
Luftwiderstand: N
Ben. Leistung: kW
Diesel: l/100km
Benzin: l/100km

 

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Effizienz

Grosse Streitfrage: ist der Diesel wirklich effizienter als der Benziner?

Was ist Effizienz?

Gute Frage. Kommt darauf an, was man wissen will, was man betrachten will, was man aussagen will.

Der Duden sagt:

Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit

Ok. Wirksamkeit klingt spannend, Wirtschaftlichkeit ist etwas komplexer1.Als Wirksamkeit betrachten wir einfach mal das, was ein Auto primär tun soll: fahren. Also: wie viel Energie brauchen wir mit Benziner oder Diesel, um von A nach B zu kommen.

Richtig spannend wäre eine Well-to-Wheel-Betrachtung, also wie viel Energie für welchen Kraftstoff aufgebracht werden muss, bis er vom Boden im Tank bzw. als Kraft bei den Rädern ist. Ist uns auch zu komplex, wir betrachten ganz einfach mal zwei Aspekte:

  • Wie viel Energie ist im jeweiligen Kraftstoff gespeichert und wie viel davon wird zum Antrieb verwendet (also der Wirkungsgrad zwischen Tank und Rad).
  • Wie viel CO22 wird frei.

Wie effizient ist nun unser Fahrzeug?

Wir können uns bei Spritmonitor mal Gölfe anschauen, Diesel und Benzin:

  • Baujahr ab 2015
  • Leistung 90-140PS3

Dann bekommen wir folgende Ergebnisse:

Energie

Die Energie, die man idealerweise beim Verbrennen des Kraftstoffs gewinnen4 kann, ist der Heizwert:

D.h. in einem kg Diesel ist mehr Energie gespeichert als in einem kg Benzin. Umgekehrt bedeutet das, dass man, wenn man 1kg Diesel verbrennt, mehr Energie einsetzt als wenn man 1kg Benzin verbrennt.

Wir betrachten aber die Liter, daher brauchen wir die Dichte:

D.h. in einem Liter Kraftstoff ist folgende Energiemenge gespeichert:

Ok, in einem Liter Diesel sind also ca. 15% mehr Energie enthalten als in einem Liter Benzin. Mal sehen, was die dann so rausholen:

Also im Rahmen der Messgenauigkeit gleich. War zu erwarten, immerhin wird ein ziemlich gleich grosses Fahrzeug ziemlich gleich bewegt, da braucht es halt die Energie. Zumindest wenn man halt einen Motor mit per se schlechtem Wirkungsgrad auch noch andauernd im Teillastbetrieb5 fährt, wo er noch schlechter ist.

CO2

Beim Verbrennen von Benzin oder Diesel werden (reine Stöchiometrie!) folgende Mengen an CO2 frei:

Auf unsere Gölfe bezogen:

Siehe da, so gross ist der Unterschied gar nicht.

Im Jahr fährt ein Auto im Schnitt in Deutschland ca. 14000km6. Daher:

Macht im Jahr im Schnitt also ca. 70kg CO2 Unterschied aus. Nicht nichts, aber halt auch nicht so viel, wie immer suggeriert wird.

Hybrid?

Weil’s grad so viel Spass macht, rechnen wir das auch mal mit einem Hybriden, dem Prius aus. Laut Spritmonitor7:

Damit brauchen wir also folgende Energie:

Ok, der Prius, der etwas grösser ist als der Golf, braucht also mit den Zahlen des Spritmonitor ca. 25% weniger Kraftstoff. Ist also definitiv effizienter (soweit man die Zahlen bei Spritmonitor als sinnvoll erachtet).

Und CO2?

Oder im Jahr:

Das ganze aus einem Saugmotor (also ohne Turbolader und damit mit quasi keinem Feinstaub und NOx-Problem)…

 

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Denk’ ich an Schland in der Nacht …

Disclaimer: es geht eigentlich nicht um Fussball! Abwarten!

24.06.2006. Intersolar in  Freiburg. Nach ermüdenden Messetagen und Messenächten will ich nur noch heim. Vorher abbauen und auch dem Caterer in der Freiburger Innenstadt die Sachen zurückbringen.

In München hat derweil die deutsche Fussballnationalmannschaft der Männer die Schweden im Achtelfinale der Fussball-WM vernichtend geschlagen.

Der Zusammenhang: als ich mit meinem Arbeitskollegen mit dem Auto in Messeuniform (Symbolfoto) nach Freiburg reinfahre, landen wir am Bahnhof in einer brodelnden Menschenmasse, Durchschnittsfarbe: Schwarz-Rot-Gold, Durchschnittsalkoholpegel: hoch. Durchschnittsruf: Schlaaaaaaand.

Ich fand das ziemlich schauderhaft1, mein Arbeitskollege meinte, dass man die halt lassen solle, sind doch alle friedlich und haben Spass2. Hmmm.

Die folgenden Zweijahresintervalle blieben so: schwarzrotgoldene Rückspiegel, schwarzrotgoldene Flaggen, schwarzrotgoldene Kotzeimer und überall Schland. Auf Facebook wie im echten Leben hatte ich die eine oder andere “Debatte”3 mit eigentlich sehr intelligenten, differenzierenden, eher linken Menschen4, darüber, dass es doch ok sei, stolz auf die eigene(Häh?) Mannschaft zu sein, dass es doch toll sei, dass es einen solchen Zusammenhalt gäbe, dass es doch toll sei, wenn sich Leute freuen können, dass man doch das Ganze einmal positiv betrachten solle.

Ja, an sich ein guter Gedanke: Deutschland hat den gewissen Makel, den einen oder anderen Angriffskrieg, Holocaust usw. angezettelt zu haben. Da kann man doch mit Deutschland auch mal was schönes assoziieren. Grüne Wiesen. Seen. Gute Technik5. Sieg. Ja, Sieg, WIR sind wieder wer, WIR sind im Achtelfinale, WIR sind Weltmeister. Schlaaaaaaand.

Nein, so ist das eben nicht. Ca. 22 Spieler und eine nicht kleine Entourage haben das erreicht. Gute Sache, ist eine Leistung, kann man würdigen, sollte man sicher auch tun6.

Das ganze Gefeiere, das ganze Nationalgestolze, das ganze Schwarz-Rot-Gold-Sein hat damit aber nichts zu tun. Schwarz-Rot-Gold sind keine Farben eines Fussballclubs, (Deut)schland ist keine Fussballmannschaft.

Die locker-flockige Aufweichung der Symbolik “Deutschland, wir sind wieder wer” war 2006 sicher größtenteils wirklich auf Fussball gemünzt. Allerdings wurde damit halt die deutsche Symbolik normalisiert, hunderte oder tausende Menschen unter Schwarz-Rot-Gold waren auf einmal(?) wieder genehm, es gab nahezu keinerlei Diskussion darüber, ob diese Art von Nationalstolz gut oder schlecht ist, ob sie überhaupt thematisiert werden solle. Sie war halt da, die Leute freuen sich.

Schnitt: August 2017. Wahlkampf. Alexander Gauland, seines Zeichens Oberidiot der AfD-Arschlöcher, faselt von der Entsorgung eines Menschen. Nachdem seine Kameradinnen und Kameraden schon lange von Schiessbefehlen, Rassenthesen und sonstigem groben Unfug träumen. Leider laut und öffentlich. Rechter Rand, Abschaum, gab es immer. Korrekt. Und nur bedingt das wirkliche Problem,

Das Problem ist – Vorsicht Buzzword – der Rechtsruck. Die Tatsache, dass CDUSPDFDPGrüneLinke sich immer mehr Rhetorik der klassischen Rechten zu eigen machen. Klar kann man klischeeig-linksradikal sagen, dass der Staat/die Regierung/etc. schon immer faschistoid war, dass konservativ=rechts ist usw. Sicher nicht pauschal falsch, sicher aber sehr undifferenziert dargestellt.

Immer mehr Dinge, immer mehr Worte, immer mehr Gesten werden immer normaler. Lügenpresse wird von allen überall benutzt, ein grüner Palmer fabuliert über zu viele Flüchtlinge, von Seehofer und Co. nicht zu reden. Wer den Polizeieinsatz beim G20 kritisiert, ist linksradikal, bekommt ggf. seine Presseakkreditierung entzogen (und dann ein nettes Entschuldigungsschreiben) oder einfach keine Chance mehr, später mal im öffentlichen Dienst (nicht kleiner Teil des gesamten Sozialbereichs!). Rechte Ärsche können jahrelang Ausländer töten, können Asylbewerberheim anzünden, Busse mit Menschen drin bedrohen, national befreite Zonen errichten, Karriere bei Polizei und Bundeswehr sein. Und sind dennoch immer nur Einzelfälle, durchgerutscht, traurige Sache.

Warum das denn? Sind wir alle so doof? Haben wir alle vergessen (oder gar ignoriert), was zwischen 1919 und 1933 passiert ist? Ganz ohne soziale Medien? Das kann doch nicht sein!

So, jetzt habe ich meine Rage runtergeschrieben, jetzt fehlt hier der Abschluss. Ich habe keinen. Gerne würde ich belastbare Zahlen liefern (oder haben!), die zeigen, dass die Rhetorik wirklich immer “rechter” wird. Noch lieber hätte ich Zahlen, die zeigen, dass das nur den Anschein hat, aber doch gar nicht so ist. Gerne würde ich hier einen Aufruf starten, eine Lösung präsentieren, die wir halt nur umsetzen müssen, damit alles gut wird. Habe ich nicht. Hat glaub auch sonst keiner. Ausser halt: Use your Brain. Be decent! 

Mehr habe ich nicht. Jetzt. Gute Nacht.

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CO2 in Zahlen

http://blog.koehntopp.info/index.php/2372-the-story-of-co2-and-other-greenhouse-gas-emissions/#1502181556132

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Gewohnheitssexismus vs. Dänemark

Keine Ahnung, ob das repräsentativ für DK ist, irgend wie stellt man sich das so romantisch weltoffen vor im verträumten skandinavischen Land, zumindest bis man kurz an die Zollkontrolle im Zug zurückdenkt.
Jedenfalls haben wir gestern im Illums Bolighus auf der Suche nach einer Wickelgelegenheit erst mal ins Frauenklo geschaut, um dann nachzufragen. "Klar, ist im Männerklo".
In der Gewohnheit, sich schon zu freuen, wenn dann mal ausser im Frauenklo auch mal im Männerklo ein Wickeltisch ist, kommt man kommen wir halt noch nicht mal.auf die naheliegende Idee, dass es ganz natürlicherweise auch so sein kann. Und freilich muß…